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Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Zum Volkstrauertag fand am
Sonntag, 15. November 2020 eine stille Kranzniederlegung durch Bürgermeistern Weber und Dekan Jahn statt.
Fotogarfiert wurde durch Gemeinderat Schieber.

Durch Dekan Jahn wurde ein Gebet gesprochen:
 
Friedensgebet am Ehrenmal zum Volkstrauertag:
Herr Jesus Christus,
wir kommen zu dir mit unsrer Trauer
um die Toten der Weltkriege
um die Opfer von Gewalt und Krieg,
Kinder, Frauen und Männer in allen Völkern.
Wir klagen dir unser Leid,
das Leid unzähliger Menschen
gejagt und gequält von Hass und Terror:
Kinder, Mütter und Väter,
junge und alte Leute.

Wir beten für sie alle,
dass sie ihr Leben behalten,
Verfolgung, Hunger und Krankheit überstehen.
Lass ihnen Menschen begegnen,
die helfen, verstehen, trösten,
die ihnen das Leben erträglich machen
und neue Hoffnung in ihnen wecken.

Wir beten für alle, die Leben retten,
die für die Menschlichkeit arbeiten,
die Gewalt abbauen helfen,
Versöhnung und friedliches
Miteinander einüben.

Wir beten für uns:
öffne unsere Herzen und Hände,
dass wir tun, was dem Frieden dient,
dass wir teilen, was wir zum Leben brauchen.
Hilf uns Frieden stiften
und Vergebung annehmen.
Lass dein Himmelreich hereinbrechen inmitten allen Leidens, und schenke Frieden. AMEN.

Bürgermeisterin Weber hielt eine kurze Ansprache:

Ansprache am Ehrenmal zum Volkstrauertag:
Lieber Herr Dekan Jahn, lieber Herr Schieber,

ich danke Ihnen ganz herzlich, dass sie heute mit mir zusammen diese stille Kranzniederlegung anlässlich des Volkstrauertages durchführen.

Leider sind wir aufgrund der Corona Pandemie gezwungen, die Feierstunde heute ohne Bürgerinnen und Bürger und auch ohne Schülerinnen und Schüler durchzuführen.
Dennoch war es uns allen wichtig, einen würdigen und dem Anlass entsprechenden Rahmen zu schaffen, ich glaube das ist uns gelungen.

Das Jahr 2020 ist das Jahr, in dem sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal jährt. Am 8. Mai 1945 endete der zweite Weltkrieg. Als damals die Waffen endlich schwiegen, waren es mehr als 60 Millionen Menschen, die durch diesen Krieg umgekommen sind.
Sie sind gefallen an der Front, sie sind verbrannt in Bombennächten, sie wurden ermordet in Konzentrationslagern, sie sind gestorben an Hunger, an Kälte, an Gewalt oder auf der großen Flucht.
Eine erschütternde Bilanz.
Über 60 Millionen Menschen starben, mehr als 6 Millionen europäische Juden wurden ermordet, tausende Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, politisch Andersdenkende, Homosexuelle, wurden verfolgt, wurden getötet. Verschollen waren 17 Millionen Menschen und weite Teile Europas waren zerstört. 14 Millionen Deutsche wurden vertrieben. Dabei waren es vor allem die Frauen, die für Hitlers Krieg bezahlen mussten, sie wurden Opfer von Plünderungen, von Vergewaltigungen und von Morden, damals an der Tagesordnung. Auf der Strecke gestorbene und zurückgelassen Kinder ebenso.
Mehr als die Hälfte der rund 5,7 Millionen Soldaten der Roten Armee, die im Zweiten Weltkrieg in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, überlebten die desaströsen Bedingungen dort nicht.
Nur knapp 2 Millionen der 3,2 Millionen deutschen Kriegsgefangenen kehrten aus der Sowjetunion nach Deutschland zurück. 1956 waren es die letzten, damals im Januar.
Das Deutsche Rote Kreuz erklärt, dass das Schicksal von 1,3 Millionen Deutschen Militärangehörigen nicht geklärt ist.

Am 8. Mai 1985 beging der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker feierlich den 40-jährigen Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges.
Ich zitiere aus seiner Rede: „der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten, er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.“ …und  „Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“

Richard von Weizsäcker ging es damals darum, zu verstehen, wie es zur Naziherrschaft kommen konnte, um es nie wieder so weit kommen zu lassen.

35 Jahre sind seit dieser Rede verstrichen. Was würde Richard von Weizsäcker zur Gegenwart sagen, zum aufkommenden Rechtsextremismus, zum wiedererstarkten Antisemitismus, zum Islamismus, zum Hass als Begleiterscheinung einer Pandemie, zu Kampfaufrufen anlässlich einer Präsidentenwahl?

Wir alle sind gefordert, uns mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Vor allem aber sind wir gefordert, an einer friedlichen Gegenwart und Zukunft mit Leidenschaft und Herzblut zu arbeiten!
Der Volkstrauertag ist nicht ein Tag der Trauer eines Volkes. Viele Völker trauern.

Die Feierstunde zum Volkstrauertag möchte ich mit einem jiddischen Sprichwort beenden:

„MENSCHEN, DIE MAN VERGISST, STERBEN EIN ZWEITES MAL.“